Mittwoch, 30. Dezember 2015

Schitourenverbot auf den Schipisten


Ein interessantes Thema beschäftigt zur Zeit die Szene der Schitourengeher und führt auch teilweise zu heftigen Diskussionen.
 
Eigentlich ist eine solche Überschrift ein offensichtlicher Widerspruch in sich selber: Piste und Schitour. Gerade weil sie das Pistenfahren zur Genüge satt haben, wechseln doch viele Schifahrer zum Schitourengehen. Und dann beschwert man sich, dass die Liftbetreiber ihre unter viel Mühe und Aufwand künstlich produzierten, oftmals sehr schmalen, Pistenbänder für ihr zahlendes Publikum frei halten wollen.
Angesichts des eklatanten Schneemangels ist es zum Ende des Jahres 2015 aber nahezu unmöglich bis auf eine Seehöhe von an die 2000m im Gelände eine vernünftige Schitour zu finden. Einzig die wie fremdartige Tentakeln eines Zombis in der grün-braunen Landschaft mäandernden  Kunstschneebänder bieten da eine mehr schlechte, als rechte Möglichkeit auf Fellen seinem Sport zu frönen.


Neu ist dieser Trend allerdings nicht, nur extrem verschärft durch den Schneemangel. Viele Pistenfahrer tummeln sich auf den engen Schneebändern und auch die Zahl der Tourengeher auf Pisten ist höher, da die normalerweise Pisten tatsächlich meidenden Bergsteiger diese einzige Möglichkeit gerade jetzt auch verstärkt nutzen.

Durch das Aufeinandertreffen einer hohen Zahl an Pistenfahrern mit  einer immer stärker werdenden Zahl an aufsteigeneden Schifahrern steigt natürlich auch die potentielle Unfallgefahr.  Sehr viele Schigebiete reagierten in den letzten Tagen darauf mit einem Verbieten des Aufsteigens.

Ich  halte dies aus mehreren Gründen für nicht gerade zielführend, wenn nicht sogar ausgesprochen dumm.
Fakt ist, dass sich immer mehr Menschen Felle auf die Schier schnallen und ihren Körper auch im Aufstieg trainieren wollen. Dieser Trend ist mittlerweile nicht nur ein Trend, sondern stellenweise einfach ein richtiggehender Boom. So einen Boom kann man mit Verboten  einfach nicht in den Griff bekommen, zumal sich ein derartiges Verbot nur sehr schlecht exekutieren läßt.

Ein einfacher Slogan bringt eine solche Situation auf den Punkt: "If you can´t beat them, join them!"

Ich denke, dass gerade in Anbetracht des mittlerweile auch von großen Skeptikern nicht mehr zu negierendem Anstieg der Durchschnittstemperatur, der touristisch relevante Markt für Pistenschifahren in Zukunft völlig zusammenbrechen wird. In dieser Phase des stetigen Rückgangs wird jeder einzelne Tourist, der noch irgendwie auf zwei Bretteln unterwegs ist, immer mehr an Bedeutung gewinnen. Es erscheint für mich als zwingend für Liftbetreiber bzw. "Pistenerzeuger", auch Tourenschifahrer "ins Boot zu holen".


Irgendwie erinnert mich das Problem der Pistenbetreiber an die Probleme der Musikindustrie mit dem Aufkommen des Internets. Die Verkaufszahlen von den Plattenfirmen rasselten in den Keller, Kunden suchten sich ihre Musik im Internet und luden sie sich illegal herunter ohne zu bezahlen. Die verschiedenden Firmen versuchten jeder auf seine Art das Problem in den Griff zu bekommen. Aber Verbote bzw. Copyright Hinweise waren völlig nutzlos.
Trotzdem hat es Apple geschafft, die Musikindustrie zu retten, indem man einen legalen Kanal schuf, sich die Musik zu einem geringen Preis zu kaufen. Die große Masse der Menschen will kein Dieb sein, will sich nicht einfach ihre Musik "stehlen".
Ich denke, dass das Problem mit den Schitourengehern auf Pisten eine ähnliches ist. Derzeit versucht jeder Schilift eine eigene Lösung bzw. Strategie in dieser Problematik. Die Menschen wollen an und für sich aber eh "legal" unterwegs sein.
Gefragt sind nun offensichtlich innovative Ideen einer Entschädigung für die Herstellung der aufwendigen Pisten, bzw. eine Lösung für das Sicherheitsproblem. Ich denke da etwa an Schranken an den Parkplätzen, die bei der Ausfahrt mit einer gültigen Liftkarte zu öffnen sind. Technisch kann das ja kein Problem sein.

Auch sollte es kein Problem sein, für aufsteigende Pistennutzer eine eigene Aufstiegsspur, die ja ohnehin nicht viel Platz benötigt, zu schaffen. Ich bin überzeugt, dass der weit überwiegende Anteil an Tourengehern bereit ist, für eine entsprechende und zur Verfügung gestellte Infastruktur auch zu bezahlen. Oft ist es sogar so, dass man nach einem Auffstieg zu Fuß noch gerne ein oder zweimal mit dem Lift hinauffährt, um so zu mehr "Abfahrtsmetern" zu bekommen.

Der Ball für eine konstruktive Lösung ist also bei den Liftbetreibern, es wird Zeit für diese endlich aufzuwachen und Trends zu erkennen und für ihren eigenen Markt  zu nützen!

Kommentare:

  1. Gibt's bereits in Flachauwinkl kann man für 18 Euro eine Skitouren Tageskarte kaufen. Die Aufstiegsspur wird markiert am Rand der Piste geführt und kreuzt die Piste nur ein einziges Mal. Ausserdem sind noch zwei Bergfahrten mit dem Lift dabei. Auf jeden Fall besser als ein generelles Verbot... Lg Bernhard

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  2. Nicht nur besser als ein generelles Verbot, sondern genau in diese Richtung sollte es gehen. Schade, dass da nicht alle Schigebiete mit ziehen. Ich aber sicher, dass jene die den Zug der Zeit erkannt haben, in Zukunft noch mehr Publikum und damit auch den kommerziellen Erfolg haben werden.

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