Der aktuelle Winter wird sicherlich als einer der problematischsten "Lawinenwinter" in die Geschichte eingehen. Bei der Untersuchung der Statistik springt einem sofort der überproportional hohe Anteil von Mitgliedern der Bergrettung an den Opfern entgegen. Irgendwie kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass es da einen "Handlungsbedarf" bei der Bergrettung gibt.
Es ist ein sehr heikles Thema, eine Organisation, bzw. deren Mitglieder zur Diskussion zu stellen, wenn man unter Umständen selber auf diese im Ernstfall angewiesen ist. Selbstverständlich ergeht es mir da auch so.
Trotzdem finde ich es enorm wichtig, dass Institutionen wie etwa Feuerwehr oder eben die Bergrettung auch Kritik (v)ertragen können müssen. Natürlich nicht Kritik im Sinne bösartiger "Schlechtmacherei", sondern im Sinne einer konstruktiven Debatte, um etwaige Mängel, und auch einen Imageverlust, verbessern zu können. Besonders wichtig ist es für mich, falls ich als Betroffener die Dienste der Bergrettung benötigen sollte, dass dort alles "optimal läuft!"
Natürlich ist es ein ganz "besonderes Gefühl", wenn du für eine Gruppe als Bergführer verantwortlich bist, alles nach besten Wissen und Gewissen machst, und dann ein Tourengeher ein Schneebrett auslöst, dass direkt auf dich und deine Gruppe zurast.
Besonders intensiv ist das "Gefühl", wenn du nach dem Ausgraben des Verschütteten feststellst, dass er ein Mitglied der Bergrettung ist.
Woran könnte also der so hohe Anteil an "erfahrenen" Schitourengehern an den Lawinenunfällen liegen?
Mir fallen da mehrere Ansatzpunkte ein: etwa schlicht und einfach die Wahrscheinlichkeit. Mehr Touren zu machen heisst natürlich auch länger und öfter im gefährdeten Bereich zu sein und dadurch einer höheren Wahrscheinlichkeit eins Unfalles. Zum Anderen besteht die Möglichkeit, dass jemand, der sich für erfahren hält, oder den sein "Umfeld" für erfahren hält, in Wirklichkeit gar nicht so erfahren ist.
Zum Beispiel besteht die Möglichkeit, dass jemand relativ häufig (dutzende Male) immer die selben 3 oder sagen wir 5 Schitouren im selben Winter geht. Dann ist er zwar mit wechselnden Bedingungen aber in immer gleichem Gelände konfrontiert. Wie schaut in diesem Falle die "Erfahrung" dann aus? Wenn noch ein gewisser "Gewöhnungseffekt", wegen dem immer gleichen Gelände eintritt, so ist der Erfahrungswert also gleich null, obwohl die Person unter Umständen den ganzen Winter auf Schitour ist. Besonders prekär erscheint es mir, wenn mit zu wenig "Demut" vor der Natur agiert wird, da man sich als "eh so erfahren" einschätzt.
Die Anzahl an Touren spiegelt also nur sehr eingeschränkt den Wert an Erfahrung wider.
Wie kann man dann aus Erfahrung in Lawinensituationen lernen? Wenn ich einen Hang fahre, den ich eigentlich gar nicht einfahren hätte dürfen, aber nur durch Glück nichts passiert, so ist eine gesammelte Erfahrung eigentlich kontraproduktiv. Wenn jemand in der selben Situation im selben Hang aber eine Lawine auslöst, so ist er unter Umständen gar nicht mehr in der Lage (da womöglich tot) von seiner gemachten Erfahrung zu profitieren.
In diesem Fall gibt es also überhaupt kein Lernen aus Erfahrung, jedenfalls nicht in dem Ausmaß wie es notwendig wäre.
Zusammenfassend ist also das Wort Erfahrung in Zusammenhang mit Lawinen sicher ein nicht ganz unproblematisches.
Wie schaut es nun mit der Ausbildung aus? Da steht es für mich ausser Zweifel, dass die Mitglieder der Bergrettung sicherlich überdurchschnittlich bis sehr gut ausgebildet sind.
Warum passieren also sehr gut ausgebildeten Menschen (und n i c h t nur BRD Mitgliedern) trotzdem immer wieder scheinbar vermeidbare Unfälle?
Eben weil es Unfälle gibt, es "passiert" einfach. Aus Unachtsamkeit, sprich Unkonzentriertheit? "Blöd gelaufen" ect. Absichtlich machen wir alle natürlich keinen Fehler. Offensichtlich muß man anerkennen, dass es unter Menschen eben menschelt und wir alle nicht perfekt sein können.
Ein Ansatz, denke ich, ist sicher das "Bewußtmachen", dass wir die Natur auch heute noch nicht wirklich genau berechnen können. Die Gefahren kann man bestenfalls abschätzen mit den entsprechenden Unschärfen. Es muss uns allen bewußt sein, dass Gefahr zum Bewegen in der Natur dazu gehört, und man nur mit größter Demut vor der Natur und ihren Gefahren (hoffentlich)bestehen kann.
Ein wirklich wichtiger Bereich im Zusammenhang mit Unfällen ist für mich aber doch der Umgang mit Fehlern. Selbstverständlich passieren uns allen immer wieder Dinge, die so nicht passieren sollten. Und sehr oft haben wir einfach Glück. Ich halte es für immens wichtig, in so einem Fall eine Fehleranalyse zu machen und sich genau zu überlegen, was ist da jetzt falsch gelaufen. Hier ist einer der seltenen Fälle, wo man wirklich "Erfahrungen" sammeln kann! Bei der Unfallanalyse geht es eben nicht darum, jemanden schlecht zu machen, sondern darum aus den Vorfällen zu lernen. So können dann viele davon profitieren.
Im vorliegenden Fall am Gamsfeld war der Lawinenlagebericht auf Stufe 3 und warnte vor Triebschneeansammlungen aufgrund des starken Windes in den Hanglagen O über S bis W. Der gegenständige Hang am Gamsfeld zeigt nach W und hatte am Kamm eine deutlich ausgeprägte Wechte. Es war schon aus der Entfernung zu sehen, dass es da eine Windverfrachtung gegeben hatte.
Was ist also schief gelaufen? Die nahezu ständig befahrene Abfahrt wird üblicherweise im zentralen Bereich des Hanges gefahren. Es war an einem "typischen ersten schönen Tag" und Wochenende. Viele Leute waren auf der Modeschitour Gamsfeld unterwegs. Natürlich wurden die Spuren nach und nach nebeneinander "gelegt". Der Unglücksfahrer querte einfach oben weiter in den Unglückshang hinein, um noch unverspurtes Gelände zu finden. Und dann brach praktisch der ganze Hang bis weit ober ihn......
Anstatt sich einer vernünftigen Fehleranalyse zu stellen, und zu sagen, was schief gelaufen ist, versuchte er allerdings den Vorfall zu verharmlosen. Für mich eine menschlich verständlich Reaktion. Im Sinne einer Unfallanalyse aber kontraproduktiv.
Der erfahrene Profi Bergführer, 3 fache Mt. Everest Besteiger als Bergführer mit Gästen, 1. Österr. auf den "7 Summits", Buchautor und Unternehmer Walter Laserer berichtet regelmäßig über Themen rund um das Bergsteigen. Kritisch und informativ werden Themen von Ausrüstung über Trends, Organisationen und Besteigungen hinterfragt und Diskussionen angeregt.
Dienstag, 10. März 2015
Mittwoch, 4. März 2015
Ist das Ende der Freiheit beim Schitourengehens erreicht?
Ist das Ende der Freiheit beim Schitourengehen erreicht?
Es war Ende Februar an einem der schönsten Plätze zum Schitourengehen in Europa: Schauplatz Talstation der Gran Sasso Seilbahn bei Assergi im Nationalpark Gran Sasso im Appenin.
Wir hatten einige wunderbare Schitouren in der Majella Gruppe genossen und waren nun nach einem kleinen Zwischenstopp in der Gegend des Campo Imperatore hier in Assergi "gelandet".
Da sich das Wetter entgültig auf die schöne Seite geschlagen hatte, wollten wir mit der Seilbahn hinauffahren und von der Bergstation auf den höchsten Gipfel des Apennin, den Corno Grande gehen. Falls dies nicht möglich sein sollte, wäre noch der Monte Aquila eine schöne Alternative, meinten wir. Bis wir den Aushang an der Türe der Seilbahn gelesen hatten. Schitouren und das Schifahren abseits der Pisten sei ab sofort verboten. Wir wandten uns vertrauensvoll an die Dame hinter dem Ticketschalter. Ich konnte mir schon vorstellen, dass vermutlich das Variantenfahen in der Nähe der Liftanlagen verboten sein könnte. Da hatte es in der Vergangenheit schon so manche Gerüchte, über sogar in Gefängniszellen geworfene Bergführer, in Italien gegeben....
Am Schalter erhielten wir die Auskunft, dass nicht nur Variantenfahren und Schitourengehen, sondern auch das Wandern mit Schneeschuhen ab sofort bis auf weiteres verboten sei. Auf die Frage nach dem Grund dieser Maßnahme antwortete die nicht sehr freundliche Dame hinter dem Glas des Schalters, dass es oben eben zwei bis vier Meter Neuschnee gegeben hätte. Wir könnten zwar mit der Seilbahn hinauf fahren, aber oben ganz sicher keine Schier anschnallen!
"Uups. Was machen wir jetzt?", dachte ich mir. Jetzt musste schnell ein Ersatzprogramm aus dem Sack gezaubert werden. "Wir fahren die Straße einfach weiter, und gehen dann entlang der stillgelegten Lifte auf den Mt. Scinderella." - gesagt, getan. Rasch waren wir wieder in den Autos und fuhren die Straße bis zum geräumten Parkplatz. Wir parkten und stiegen aus. Außer uns waren noch drei andere Personen dort. Und eine von ihnen, ein Polizist, erklärte uns, dass hier das Schitourengehen verboten sei. Ich war sehr verwundert. Waren doch maximal homöopatische Mengen an Neuschnee zu sehen und das Wetter strahlend schön. Man erklärte uns, dass wir sobald wir die Schier anschnallen würden ein Strafmandat bekommen würden.
Nun war es mit meiner Geduld entgültig zu Ende. Wir stiegen wieder in unsere Autos und fuhren ein ein anders Gebiet. Dort konnten wir ungestört eine wunderbare Abschlusstour genießen.
Was war da geschehen? Haben übernervöse Liftbetreiber Angst, dass vielleicht Schitourengeher eine Lawine auslösen könnten und diese eine Piste verschüttet? Dafür hätte ich eigentlich noch volles Verständnis. Aber bei der Stelle mit den postierten Polizisten handelte es sich keineswegs um ein Liftgebiet. Bei den stillgelegten Liften waren die Bügel und sogar die Zugseile schon abmontiert worden. Nur die Stützen ragten noch wie knöcherne Finger rostig in die Landschaft.
In den vergangenen Tagen hatten wir teilweise wirklich schlechtes Wetter, viel Wind jedoch kaum Niederschläge. Solche waren aber prognostiziert worden. Außerdem hatte es in Norditalien insgesamt an wenigen Tagen tragischerweise 6 Lawinentote Schifahrer gegeben. Vor diesem Hintergrund sahen sich die örtlichen Behörden offenbar gezwungen, Maßnahmen zu ergreifen. Da das Wetter in der Nacht jedoch strahlend schön geworden ist, und es insgesamt kaum Neuschnee gab, war das für uns natürlich nicht nachvollziehbar.
Nun gibt es bei uns immer mehr Stimmen dafür, die ein behördliches Eingreifen bei bestimmten Lawinensituationen fordern. Könnten dadurch Lawinenunfälle vermieden werden? Wieviel ist uns die viel beschworene Freiheit in den Bergen wert, bzw. wo liegen dann die Grenzen? Wenn die Gesellschaft insgesamt mit Kosten für die Rettungseinsätze und der Rekonvaleszenz von Verletzten belastet wird, hat sie dann nicht das Recht - oder sogar die Verpflichtung - eine Regelung zu treffen? Gerade in einem Winter, wo es offenbar aufgrund bestimmter Wettermuster zu einer Häufung an Lawinenunfällen kommt, gewinnt diese Frage immer mehr an Bedeutung. Ein erschreckend großer Anteil an den unfallbeteiligten Personen waren selber Mitglieder bei der Bergrettung bzw. galten als sehr erfahren. Dieser Umstand weist doch darauf hin, dass Erfahrung eigentlich eher kontraproduktiv in Bezug auf Lawinen ist. Man müsste diesen Zahlen aber sicherlich auch die Anzahl der gesamt unterwegs gewesenen Personen in Relation stellen. Dazu gibt es aber meines Wissens keine Statistiken. Klar scheint mir aber zu sein, dass erfahrene Tourengeher auch viel öfter im Gelände unterwegs sind, also einem größeren bzw. länger Risiko ausgesetzt sind. Je "erfahrener" man ist, umso "vorsichtiger" müßte man dann ja eigentlich agieren, um auf der sicheren Seite zu sein....
Es war Ende Februar an einem der schönsten Plätze zum Schitourengehen in Europa: Schauplatz Talstation der Gran Sasso Seilbahn bei Assergi im Nationalpark Gran Sasso im Appenin.
Wir hatten einige wunderbare Schitouren in der Majella Gruppe genossen und waren nun nach einem kleinen Zwischenstopp in der Gegend des Campo Imperatore hier in Assergi "gelandet".
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| ....über den Wolken, ist die Freiheit offenbar nicht mehr grenzenlos...... |
Am Schalter erhielten wir die Auskunft, dass nicht nur Variantenfahren und Schitourengehen, sondern auch das Wandern mit Schneeschuhen ab sofort bis auf weiteres verboten sei. Auf die Frage nach dem Grund dieser Maßnahme antwortete die nicht sehr freundliche Dame hinter dem Glas des Schalters, dass es oben eben zwei bis vier Meter Neuschnee gegeben hätte. Wir könnten zwar mit der Seilbahn hinauf fahren, aber oben ganz sicher keine Schier anschnallen!
"Uups. Was machen wir jetzt?", dachte ich mir. Jetzt musste schnell ein Ersatzprogramm aus dem Sack gezaubert werden. "Wir fahren die Straße einfach weiter, und gehen dann entlang der stillgelegten Lifte auf den Mt. Scinderella." - gesagt, getan. Rasch waren wir wieder in den Autos und fuhren die Straße bis zum geräumten Parkplatz. Wir parkten und stiegen aus. Außer uns waren noch drei andere Personen dort. Und eine von ihnen, ein Polizist, erklärte uns, dass hier das Schitourengehen verboten sei. Ich war sehr verwundert. Waren doch maximal homöopatische Mengen an Neuschnee zu sehen und das Wetter strahlend schön. Man erklärte uns, dass wir sobald wir die Schier anschnallen würden ein Strafmandat bekommen würden.
Nun war es mit meiner Geduld entgültig zu Ende. Wir stiegen wieder in unsere Autos und fuhren ein ein anders Gebiet. Dort konnten wir ungestört eine wunderbare Abschlusstour genießen.
Was war da geschehen? Haben übernervöse Liftbetreiber Angst, dass vielleicht Schitourengeher eine Lawine auslösen könnten und diese eine Piste verschüttet? Dafür hätte ich eigentlich noch volles Verständnis. Aber bei der Stelle mit den postierten Polizisten handelte es sich keineswegs um ein Liftgebiet. Bei den stillgelegten Liften waren die Bügel und sogar die Zugseile schon abmontiert worden. Nur die Stützen ragten noch wie knöcherne Finger rostig in die Landschaft.
In den vergangenen Tagen hatten wir teilweise wirklich schlechtes Wetter, viel Wind jedoch kaum Niederschläge. Solche waren aber prognostiziert worden. Außerdem hatte es in Norditalien insgesamt an wenigen Tagen tragischerweise 6 Lawinentote Schifahrer gegeben. Vor diesem Hintergrund sahen sich die örtlichen Behörden offenbar gezwungen, Maßnahmen zu ergreifen. Da das Wetter in der Nacht jedoch strahlend schön geworden ist, und es insgesamt kaum Neuschnee gab, war das für uns natürlich nicht nachvollziehbar.
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| herrliche Schitour über den Wolken in den Abruzzen |
Mittwoch, 18. Februar 2015
Spuranlage - die Visitenkarte des Tourengehers
Spuranlage - die Visitenkarte des Tourengehers
Wenn man den ganzen Winter in seinem Beruf als staatl.geprüfter Berg- und Schiführer unterwegs ist, so wird man zwangsläufig immer wieder mit kuriosen und manchmal auch gefährlichen Situationen konfrontiert. Während der Touren hat man dann oftmals viel Zeit, über die erlebte Situation nach zu denken. Dabei überlege ich mir dann immer wieder, was in den Köpfen von so manchen Tourengehern vor geht, bzw. warum diese oder jene Situation so ist. Was könnten oder müßten wir in der Alpinen Ausbildung noch verbessern, damit wir die Sicherheit erhöhen?Als Profi am Berg ist man ja eigentlich nichts Anderes, als eine Art "Sicherheits Wau Wau" und somit ständig bis ins tiefste Unterbewußtsein hinein hellhörig in Punkto Alpine Gefahren.
Manchmal trifft man am Ausgangspunkt einer Schitour andere Bergsteiger, begrüßt sie freundlich und fragt welches Ziel sie den hätten. Dabei ist es mir schon öfter passiert, dass ich zur Antwort bekam, wir wissen es nicht genau, wir gehen halt der Spur da nach. Solche Gruppen können doch überhaupt keine Tourenplanung gemacht haben, wenn sie nicht mal wissen, wie ihr Ziel heißt, oder? Man fragt sich dann unwillkürlich auch über die Risikotoleranz solcher Personen, und wundert sich nur, dass nich noch mehr passiert.
| Spuranlage - ein wichtiger Baustein in der Schitourenausbildung |
Viele Tourengeher gehen also scheinbar völlig kritiklos irgendeiner Spur nach, obwohl sie natürich nicht wissen können, wer diese gelegt hat. Oft ist es auch nicht erurierbar, von wann diese Spur stammt, bzw. bei welchen Verhältnissen diese gelegt wurde.
Neulich war ich wieder einmal mit einer Gruppe am Gamsfeld, einer sogenannten "Modeschitour" bei uns in der Osterhorngruppe. Wir hatten es "gut erwischt", wie man so sagt. Da wir noch unter der Woche untewegs waren, gab es gerade genug Neuschnee für eine tolle Abfahrt und die Hänge waren noch nicht platt gefahren. Trotzdem - wie ja auf Modetouren häufig - war schon eine Aufstiegsspur angelegt.
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| Martin Edlinger in voller Fahrt! |
Selbstverständlich kann jeder jederzeit eine eigene Spur anlegen. Trotzdem ist es scheinbar im Menschen drinnen, dass er zualllerst einer bereits vorhandenen Spur nachläuft. - Ist es nicht im "normalen, zivilen" Leben genauso? Der Herdentrieb ist im Menschen einfach stark ausgeprägt. Niemand, vor allem Bergsteiger, will das so. Jeder fühlt sich individuell verschieden. Aber alle zusammen sind trotzdem wieder "die Herde", und verhalten sich auch entsprechend. Übrigens, auch mir als Bergführer geht es am Berg manchmal so.
In unserem Fall bin ich der vorhandenen Spur natürlich gefolgt. Anfangs kein Problem, der Weg geht ja entlang einer Forststraße. Aber sobald wir in den Wald abbogen änderte sich die Situation. Die Spur wurde immer steiler und steiler. Wir begannen an manchen Stellen sogar mit den Fellen zu rutschen. Es war an der Zeit eine eigene Spur zu wählen, was ich natürlich auch machte. Im Verlauf unserer Tour versuchte ich später an der einen oder anderen Stelle wieder in der flacher scheinenden Spur zu gehen, war aber bald wieder gezwungen, zum Großteil selber eine flachere Spur zu machen.
Natürlich ist es für mich kein Problem eine eigene Spur zu spuren, aber es fällt mir schon auf, dass generell beim Schitourengehen in den letzten Jahren, immer steilere Spuren gelegt werden, und dass man mittlerweile wirklich viele Tourengeher sieht, die diese extrem steilen Spuren in einem Affentempo hochhetzen.
Das wäre an und für sich auch kein Problem, wenn nicht dann mittendrin verzweifelte "Normalverbraucher" hoffnungslos in der zu steilen Spur herumrutschen, an den Spitzkehren oftmals umfallen, und schließlich irgenwo in der Tour eigentlich sinnlos "stranden" würden. Oder viel schlimmer, wenn sich die Sicherheitslage schlicht und einfach verändert hat. Man bei der momentanen Gefährdung, in diese Steillage eben nicht so hineingehen, oder fahren dürfte.
Praktisch nie, oder extrem selten, sieht man jemand zusätzlich zu offensichtlich zu steilen, oder gar falsch in den Steilhang hinein angelegten Spuren, eine eigene Spur zu machen. Warum eigentlich?
Einige Zeit später, das Wetter hatte sich mittlerweile auf die "frühlingshafte" Steite geschlagen, die Schneedecke aber noch nicht voll "gesetzt". Ich traute der ganzen Sache Punkto Lawinen also noch immer nicht so richtig.
Diesmal waren wir als kleine Gruppe am Dachstein unterwegs. Um zum Einstieg zu gelangen, muss man von der Dachsteinwarte, also von Osten kommend, einen zunehmend steiler werdenden Gletscherhang hinaufgehen. Im Zentrum hat der Hang über 30 Grad und - ich glaub es ist rund ein oder zwei Jahre her, dass ein riesiges Schneebrett genau dort abgegangen ist. Verschüttet wurde damals zum Glück niemand.
Als wir den Hang erreichten, sah ich eine "schöne", gleichmäßig steile Spur mitten ins steilste Zentrum des Hanges hinein gehen. Mitten in der steilsten Passage wurden dann noch die Spitzkehren angelegt. Und mitten in der "Extremspur" purzelten einige Bergsteiger munter herum.
Wir gingen in einer einzigen großzügig angelegten, flachen Schleife Richtung Niederen Dachstein unter dem Steilhang durch und kamen mit einer 4-takter Kehre und einer Spitzkehre zum Einstieg des Dachsteins. Den Gipfel erreichten wir dann entlang des Klettersteiges natürlich ohne Schi. Nach einer wunderbaren Gipfelrast, kamen wir wieder zu unserem Schi Depot.
| Traumtag am Gipfel des Dachsteins |
Ich traute meinen Augen nicht. Munter gingen da Schitourengeher weiterhin hartnäckig die steile Spur mitten in den Steilhang hinein direkt zum Einstieg. Meiner bequemen u n d viel sichereren Spur folgte aber niemand. Offensichtlich hatte sich kein einziger der Tourengeher offenen Auges ins Gelände begeben. Und offensichtlich wurde bzw. wird, häufig kritiklos ohne Überlegung der direkten Spur nachgelaufen. Wieso ist das so? Wird ganz allgemein der Spuranlage in der Ausbildung zu wenig Wert beigemessen? Oder sind viele Tourengeher "Konsumenten" eines allzu kurzen und billigen "Schnellsieder Theorie Werbekurses"? (Was nix kost, ist üblicherweise auch nix wert!) Oder haben viele überhaupt keine Ausbildung und kommen rein vom "Pistengehen" halt ab und zu ins Gelände?
Übrigens: bei den Schitouren Rennserien von ASKIMO.at bzw. bei den Weltcuprennen wird die Spur sehr f l a c h angelegt. Die Athleten sind in der flachen Spur viel schneller, mit wesentlich höherer Trittfrequenz unterwegs. An einer zu steilen Spur wäre die Belastung viel zu intensiv und die Athleten daher nicht nur viel langsamer, sondern auch viel zu schnell "blau". Bei vergleichen sind die "richtigen" Rennläufer also in einer flachen Spur deutlich schneller unterwegs und können ihr gewähltes Tempo auch wesentlich länger halten! Also ist es eigentlich auch vom "Trainingsgedanken" her ein völliger Unsinn, extrem steile Spuren, in noch dazu extrem gefährliches Steilgelände zu legen.
ausgezeichnete Seite zum Thema Schitouren Rennen: www.askimo.at
Donnerstag, 12. Februar 2015
Alpin Journal: Das Dogma der Lawinenwarnstufe
Alpin Journal: Das Dogma der Lawinenwarnstufe: Das Dogma der Lawinenwarnstufe "Der Blick aufs Smartphone, sprich den Lawinenlagebericht, ersetzt den Blick ins Gelände", hab i...
Das Dogma der Lawinenwarnstufe
Das Dogma der Lawinenwarnstufe
"Der Blick aufs Smartphone, sprich den Lawinenlagebericht, ersetzt den Blick ins Gelände", hab ich in meinem Blog Bericht über das "Lawinenwochenende" 2. Februar geschrieben. Was habe ich damit gemeint? Um diese Frage genauer zu beantworten, hab ich mich entschlossen, heute etwas genauer auf diese komplizierte Materie einzugehen.| Traumschitour in der Dachsteinregion, Blick auf den Gosaukamm |
Sehr häufig wird der Lawinenlagebericht als absolute, oberste, nicht antastbare Wahrheit, also quasi als Dogma begriffen. Dem ist selbstverständlich nicht so. Wie beim Wetterbericht, ersetzt auch der LLB nicht das eigene Beobachten und Mitdenken in der Natur.
Der Lawinenlagebericht ist ein unverzichtbarer Baustein für eine seriöse Tourenplanung. Aber ebenso wie beim Wetterbericht handelt es sich dabei um eine Prognose, also Vorschau. Wie wird es grundsätzlich in naher Zukunft (nächster Tag) und großräumig (grobmaschiges Netz einer Region) vermutlich mit der Lawinengefahr ausschauen. Ebenso wie der Wetterbericht nicht immer stimmt, kommt es also auch beim Lawinenlagebericht zu Fehlern. Besonders treten diese Fehler im Überschneidungsbereich, z. B. Bundesländergrenzen zu Tage. Wir im Dachsteinmassiv haben zu bestimmten Zeiten zwischen dem steirischen, Salzburger und dem oberösterreichschen LLB schon mal bis zu zwei Stufen Unterschied für eine ähnlich Region im selben Zeitraum festgestellt.
Im Alpenraum liegt die Trefferquote des Lageberichts bei etwa 75 %. Soll heissen, dass rund jede vierte Prognose falsch ist. Ich möchte mit dieser Aussage keineswegs den Lawinenlagebericht kritisieren, im Gegenteil, ich möchte ihn nur in das richtige Licht stellen. Übrigens für jene unter euch, die international unterwegs sind: In vielen Regionen der Welt (z. B. Skandinavien) gibt es kaum, oder gar keinen LLB!
Nun möchte ich die einzelnen Stufen etwas beleuchten. Stufe 1 ist eigentlich kaum relevant, da es sich dabei allgemein um eher sichere Verhältnisse handelt, es passieren kaum Unfälle mit Personenschaden. Stufe 4 - und selbstverständlich 5 - liegen am anderen Ende der Skala. Für den durchschnittlichen Normalverbraucher ist klar, da hab ich im Gelände nix zu suchen, zu komplex und zu gefährlich ist die Situation.
Bleiben die Stufe 2 und die Stufe 3 als wirklich relevant für den Tourengeher übrig. Bei der Stufe 2 ( = mässige Lawinengefahr), das ist rund 47 % der Zeit, passieren aber immerhin ca. 18 % aller Lawinenunfälle. Es ist also keineswegs so, dass es sich dabei um relativ sichere Verhältnisse handelt, wie leider fälschlicherweise bei einem nur kurzen, schnellen Blick auf den LLB vermutet wird.
Die für den Freizeitsportler problematischste Stufe ist aber der "Dreier". Diese Stufe ( = erhebliche Lawinengefahr) herrscht leider Gottes immer noch zu ca. 37 % der gesamten Schitourensaison. Da das Gefahrenpotential eine exponentielle Funktion ist, passieren bei dieser Stufe aber ca. 63 % der Unfälle. Anmerkung: es handelt sich bei dieser Statistik immer um Unfälle mit Personenschaden. Man muss also bei LLWSt 3 (erheblich) wirklich bereits sehr sorgfältig planen, und es ist enorm wichtig, immer mit offenen Augen und bewusster Wahrnehmung im Gelände unterwegs sein.
Warum wird dem LLB ein so großer Stellenwert gegeben?
Ich bin mir sicher, dass der weit überwiegende Teil der Schitourngeher sehr verantwortungsvoll und oft auch gut ausgebildet unterwegs ist. Ein Problem könnte z. B. im System "Lawinenbeurteilung" wie es heute allgemein gelehrt wird, liegen. Bei nahezu allen wird der LLB als Grundlage, also als "Input" verwendet. Ob das jetzt die Methode "Stop or Go", oder die Strategie der "Snow Card" usw. ist, immer wird mit der "dogmatischen Zahl des LLB" agiert. Kaum wird bedacht, dass in einem aus vier Fällen dieser Ausgangswert gar nicht stimmt.
Durch das Erheben der strategischen Methoden zur Beurteilung der Lawinengefahr zu einem "Dogma", hat man gleichzeitig für den Endanwender den Lawinenlagebericht zu einem Dogma erhoben. Ich halte es aber für unglaublich wichtig, mit dem Lehren dieser strategischen Schätzmethoden auch ihre Grenzen aufzuzeigen!!
| kleiner Blocktest bei einem Schitourenkurs im Gelände |
Aufgrund der aktuellen Ereignisse, sprich der großen Häufung an Unfällen, denken, laut einem Bericht im ORF Tirol, die Verantwortlichen des Tiroler LLB laut über eine Umbenennung der einzelnen Gefahrenstufen nach.
Als Grund dafür wird angegeben, dass die Bezeichnung "erhebliche Gefahr" nicht den wahren Zustand der Schneedecke im Gelände beschreibe. Offensichtlich gehen die Verantwortlichen davon aus, dass ein großer Teil der Nutzer nur auf die Zahl, bzw. die Bezeichnung der Warnstufe achtet, aber dann im Gelände zu wenig auf die Warnzeichen.
alt - neu
gering - gering
mäßig - mäßig
erheblich - gross
gross - sehr gross
sehr gross - extrem
Ich halte das für nicht zielführend. Denn wie oben erwähnt, denke ich nicht, dass die Ursache für die offensichtlich manchmal mangelnde Sorgfalt der Tourengeher im Gelände das "Wording" im LLB, sondern eher im System selbst begründet ist. Auch ist es naheliegend, dass an einem Gratisabend oder einem billigen Schnellsiederkurs, von einigen Stunden Dauer, so eine komplexe Materie wie Lawinenkunde u n d die Grenzen der Schätzmethoden gelehrt werden können. Dies kann man eben nur in einem serösen Kurs mit staatlich geprüften Berg- und Schiführer lernen. Und solch ein Kurs hat eben auch seinen Preis in Zeit und Geld. Wie intelligent ist es, bei einer Sicherheitsausbildung Zeit und auch Geld zu sparen?
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| Achtet auf die Marke! |
Sonntag, 8. Februar 2015
Hilfe, schützt uns vor den Naturschützern!
Hilfe, schützt uns vor den Naturschützern
Es ist wieder soweit in Oberösterreich. Wild gewordene Naturschützer, bzw. treue Diener unserer EU Bürokraten in Brüssels Naturschutzabteilungen, wollen das x- te Naturschutzgebiet in Oberösterreich ausweisen. Im aktuellen Fall geht es um ein Stück der Steyr. Lebensgrundlage für eine Kajakschule und Naherholungsgebiet für die Bevölkerung aus dem großen Ballungsraum Linz/Wels/Traun. Ist es eigentlich richtig, dass laut einer EU Vorschrift ein gewisser % der Landesfläche als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden muss? Oder handelt es sich dabei nur um ein Gerücht. - So ein Unsinn kann eigentlich nur ein Gerücht sein.| Walter Laserer bei Harmatan, im Kajak am Niger, Bild Martin Hartley |
hier ein link zu einem Artikel aus den OÖ Nachrichten:
http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/Sperrgebiet-fuer-Taucher-und-Kanuten;art68,1628649
Als ausgebildeter Förster und hauptberuflicher Berg- und Schiführer könnt ihr mir glauben, dass mir unsere Natur sicher ein anliegen ist.
Aber wenn man mit verfolgt, was sich in Sachen Naturschutz in unserem Bundesland abspielt, so muß man sich als denkender Mensch (im Gegensatz zu offenbar oft nicht denkenden Untertanten!) schön langsam fragen, was da los ist!
Was nützen die vielen (von) Natur geschützten Flächen eigentlich, wenn der Mensch sie dann nicht mehr betreten darf? Wozu soll das dann gut sein? Vielleicht darf dann noch ein Vogelzähler, sprich Naturschützer, das Gebiet betreten, aber Kanufahrer, Fischer oder sonstige Menschen dürfen sich in solcherart geschützter Natur nicht zum Zwecke der Erholung aufhalten.Ganz zu schweigen von quasi kalt enteigneten Grundbesitzern, die in so einem Gebiet auch überhaupt nichts mehr machen dürfen.
| unterwegs am Niger, Bild Martin Hartley, London |
Wie in vielen anderen Fachgebieten, habe ich irgendwie den Eindruck, dass "unsere Politiker" in Europa jeden Unsinn aus den Vereinigten Staaten von Amerika nachmachen. - Wo die Amerikaner mittlerweile selbst schon lange wissen, welcher Unsinn das ist. Aktuelles Beislpiel ist der Nationalpark, bzw. Naturschutzwahn. Am Ende dieser Entwicklung steht dann - so befürchte ich allen ernstes - wie in Amerika, das Riesengeschäft mit den Nationalparks. Da darf dann nur noch der hinein, oder gar arbeiten, der eine Konzession von der Nationalpark Verwaltung ersteigert hat. Ihr habt richtig gelesen, nichteinmal verkauft werden solche Konzessionen, nein, man muss sie ersteigern. Im Yosemite Nationalpark darf nicht mal ein Taxi ohne ersteigerter Konzession hineinfahren, im Mt. Mc Kinley Nationalpark darf kein Bergführer arbeiten, ohne ersteigerter Konzession. "Normale Menschen" müssen selbstverständlich saftigen Eintritt bezahlen, denn der Nationalpark ist ein gewinnorientierter Konzern.
Und bei uns? Jaa, wir haben zum Beispiel schon den Nationalpark Gesäuse, den gibt es schon. Da müssen die Bergführer erst mal nur melden, wieviele Gäste sie mit auf Tour haben. Wozu? Ich nenne das Bedarfserhebung. Noch, betonte der Leiter der Nationalpark Gesäuse GesmbH, ist man nicht soweit, Konzessionen zu verkaufen oder versteigern, oder beim Nationalpark einen Bergführer anzustellen. Mit den naturkundlichen Führungen durch Nationalpark Ranger macht man aber schon Gewinne.
Es gab vor einigen Jahrzehnten einen Herrn mit Namen Darwin. Der hat eine gewisse Evolution nachgewiesen. Vielleicht sollten manche Naturschützer sich mal mit den Werken Darwins befassen. Dort geht es sinngemäß darum, dass sich unsere schöne Welt weiterentwickelt, und das schon seit Jahrmillionen. Früher gab es Saurier, später Mammuts und viele tausende andere Tierarten sind ausgestorben, oder haben sich weiterentwickelt. Bei so manchem Naturschützer hab ich den Eindruck, dass er die Evolution aufhalten will. Krampfhaftes schützen oder hegen und pflegen von Tierarten wird da vorgetäuscht, die sich in Wirklichkeit schon längst an den Menschen gewöhnt oder angepasst haben. Ansonsten wären sie ja schon längst ausgestorben oder hätten sich zumindest einsamere Gegenden als Lebensraum gesucht!
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| Gänsesäger, eine Entenart, die sich in Wirklichkeit schon längst an Menschen gewöhnt hat! |
Auch habe ich den Eindruck, dass viele sogenannte Naturschützer, oft sehr fanatisch agieren. Meine persönliche Meinung ist, dass man allem was fanatisch vorgebracht wird, mit einer gesunden Skespis begegnen sollte. Besonders wenn es sich dabei etwa um religiöse Themen oder eben politische Themen handelt bzw. eben dem fanatischen Naturschutz.
Stromproduktion ist so ein oft fanatisches Naturschutz - Thema. Wir alle benötigen Strom. Er muss also produziert werden. Viele Naturschützer sind mittlerweile gegen alles: gegen Atomkraft, gegen kalorische Kraftwerke, gegen Gaskraftwerke, ja sogar gegen Wasserkraftwerke, selbst wenn diese möglichst klein und umweltschonend geplant werden, mittlerweile sind unsere Naturschützer ja sogar gegen Windkraftanlagen, also Windräder. Man kann also nicht mal mehr die sogenannte "Grüne Energie" ohne Proteste und Gegenaktionen produzieren. Na, da frag ich mich wirklich, woher dann der Strom kommen soll?
Wie ist das dann zum Beispiel mit den Elektroautos? Unsere Stromkonzerne pushen diese Entwicklung selbstverständlich. Aber wo kommt dann der Strom für die Autos her? Habt ihr euch schon mal überlegt, welche Mengen an Strom produziert werden müssen, wenn plötzlich alle Autos mit Strom fahren würden?
Ich stehe also solcherart fanatischem Naturschutz und ganz besonders den Wildwuchs an diversen Naturschutzgebieten extrem skeptisch gegenüber. Dabei möchte ich aber nicht unerwähnt lassen, dass mir selbstverständlich bewusst ist, dass ich als hauptberuflicher Berg- und Schiführer natürlich auch von einer intakten Natur lebe. Ich bin also f ü r den Naturschutz, aber mit Maß und Ziel. Soll heißen mit Augenmaß. Als mündiger Mensch sollte man sich bei jedem größeren geplanten Eingriff informieren und objektiv eine Meinung bilden.
hier der link zur Kajakschule an der Steyr, denen wird sprichwörlich das "Wasser abgegraben"!
https://www.facebook.com/pages/Kajak-Pyhrn-Kajakschule-Verleih/182209615163634?fref=nf
Mittwoch, 4. Februar 2015
Alpinhistorische Sensation in Patagonien
Rolando Garibotti, dem unumstrittenen Hausmeister des Gebietes um Cerro Torre und Fitz Roy,
gelang eine alpinhistorische Sensation!
| Cerro Torre, Torre Egger, Torre Standhard und die Bifida von li nach re, Bild Walter Laserer |
Man schrieb das Jahr 1959, als der Italiener Cesare Maestri gemeinsam mit dem aus Lienz stammenden Toni Egger den Cerro Torre als erster bestiegen haben will. Sechs lange Tage waren die beiden bei sich immer mehr verschlechterndem Wetter unterwegs. Schließlich begrub eine Eislawine Toni Egger am Fuße des Cerro Torre. Sein Körper wurde 15 Jahre später von einer englisch - amerikanischen Seilschaft (Mick Coffey, Ben Campbell, Brian Wyvill, John Bragg, Jim Donini) gefunden. Der Fund geschah dann also im Jahr, 1974, als auf der Westseite Ferrari und Ragni mit Gefährten die Westwand und damit die erste dokumentierte Besteigung des Cerro Torre vollführten. Verschollen blieb allerdings bis heute die Fotokamera.
Cesare Maestri war mehr tot als lebendig, als er von seinem Kameraden Cesarino Fava am Gletscher gefunden wurde. Bis heute sind die Umstände des Unfalls von Toni Egger ungeklärt. Die Frage, ob die beiden letztendlich den Gipfel erreicht hätten, ist bis heute eigentlich offen.
Interessant ist, dass die Debatte über "Gipfel oder nicht Gipfel" fallweise, vor allem in Italien, extrem emotional geführt wurde und wird. Rein den Fakten nach gibt es heute in dem Bereich, in dem Maestri mit Egger auf dem Gipfel geklettert sein will, einige moderne extreme Routen. Kein Kletterer hat je oberhalb des ominösen dreieckigen Schneefeldes in der Ostwand igendwelche Spuren von 1959 entdeckt. Man fand Jahre später ein Depot mit Seilen, alten Haken und Karabinern, jedoch unweit des "dreieckigen Schneefeldes" in rund einem Drittel Wandhöhe.
Was hat nun Rolando Garibotti im Jänner 2015 gefunden? In detektivischer Manier ist es ihm gelungen, ein Foto, das Cesare Maestri in seinem Buch veröffenticht hatte, nach zu stellen. Man stelle sich das nur vor: ein Foto auf dem man einen Kletterer sieht, aber keinerlei Hintergrund, kein Gipfel oder Gletscher, einfach nur kombiniertes Felsgelände und einen relativ kleinen Kletterer drauf.
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| Maestris Buch: "Arrampicare e il mio mestiere", Mailand 1961, Archiv Garibotti |
Wie gut, wie perfekt muss der Mann "seinen" Torre und die umliegenden Berge kennen, damit ihm so etwas gelingt? Der Beweis ist eindeutig, das Foto, welches Maestri von Egger gemacht hat, ist auf der Westseite der Torregruppe entstanden, also an einer völlig anderern Stelle, auf der anderen Seite der Berggruppe. Der Korrektheit halber möchte ich noch anmerken, dass Rolando bei seinen Recherchen nicht alleine war. Zwei Jahre früher hat er gemeinsam mit Ermanno Salvaterra in Maestres 1961 erschienen Buch, Arrampicare e il Mio Mestiere (Milano, Garzati, 1961), ein Foto Toni Eggers entdeckt.
Salvaterra und Garibotti haben beide viele Routen im Gebiet des Cerro Torre erstbegangen und kennen daher das Gebiet tatsächlich wie ihre Westentasche. Ihnen war klar, dass das Bild Maestris nicht am Cerro Torre entstanden sein konnte. Die Frage war nur noch, wo war es dann entstanden?
Ein Jahr später motivierte Kelly Cordes Garibotti die Angelegenheit doch intensiver weiter zu verfolgen. Mit Hilfe von Dörte Pietron, und nach der Durchsicht hunderter Fotos, gelang es schließlich, das Rätsel zu entschlüsseln.
Anmerkung: Rolando Garibotti hat gemeinsam mit Dörte Pietron einen fantastischen Kletterführer über das Gebiet des Cerro Torre und Fitz Roy verfasst, - mit traumhaften Bildern. "Patagonia vertical", im Sidarta Verlag erschienen.
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| li. Original von Maestri, rechts nachgestellt von Garibotti |
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| der Beweis von Rolando Garibotti |
An der Westseite des Cerro Torre war bereits 1958 Walter Bonatti mit Carlo Mauri unterwegs, auch sie wollten damals den Torre als Erste besteigen, blieben aber erfolglos. Von dieser Expedition wusste Cesare Maestri zweifellos. Vermutlich war ihm auch bekannt, dass die "schwächste Stelle" des Torre an seiner Westseite lag.
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| die Westseite des Col Standhardt, mit der von Egger/Maestri vermutlichen Route, bzw. Fotostandort |
Was genau hat nun Rolandi Garibotti bewiesen:
1. das Foto im Buch Maestris entstand nicht am Cerro Torre, wie Maestri fälschlich behauptet hatte.
Maestri hat also nachweislich gelogen.
2. Maestri und Egger waren also auf der Westseite der Torregruppe. Offensichtlich haben sie die Westseite des Berges versucht, warum sonst wären sie auf die andere Seite gequert? Niemand war vor ihnen an der Stelle in der Nähe des Col Standhardt, das Foto muss also von den Egger/Maestri gemacht worden sein.
3. da in den Tagebüchern und im Expeditionsverlauf keinerlei Tage sonst für eine Erkundung oder dergleichen vorgesehen waren, oder darüber berichtet wurde, waren sie offensichtlich während der "6-Tage Besteigung" auf der Westseite der Berggruppe. Während aber Maestri erklärte, sie wären an der Ost und Nordseite des Cerro Torres gewesen!
4. Offensichtlich wurde die Kamera nicht verloren, wie Maestri erklärte. Oder zumindest ein belichteter Film muss in Maestris Besitz sein.
1957 gelang Toni Egger gemeinsam mit Siegfried Jungmeir die Erstbesteigung eines wilden Berges in Peru. Jirishanka bedeutet übersetzt Kollibrischnabel, und genauso spitz und unnahbar schaut der Berg auch aus. Irgendwie hat die Ostseite des Jirishanka ein Ähnlichkeit mit der Westeite des Torres, die Schwierigkeiten sind jedenfalls ähnlich gelagert. Vorwiegend mixed Kletterei und etreme Eisformationen.
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| der Jirishanka von Westen 6064m, Peru |
Ich habe selbst am Jirishanka (6 064 m) in der Cordillera Huyuash in Peru eine Erstbegehung gemacht. (Route Fly away, 1989 mit Heli Steinmassl, auch die Erstbefliegung mit Gleitschirm.)
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| Cerro Torre, Bild Walter Laserer |
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| Gleitschirmstart aus über 6000 m Höhe, zwischen Süd und Nordgipfel des Jirishankas, über die Westwand, Bild: Steinmassl |
Toni Egger hat den Jirishanka in Peru, vor der Expedition zum Cerro Torre, erstbegangen. Dies war sicher die herausragendste Leistung von Toni Egger. Die Westwand des Cerro Torre ist in ihrer Struktur dem Jirishanka sehr ähnlich und mit Sicherheit die "leichtere" Seite des Berges. Es ist also nahe liegend, dass Toni Egger Maestri gedrängt hat, diese Seite zu versuchen, wie Rolando Garibotti mir in einem Email berichtete.
Aber warum hat Maestri gelogen?
Eine (meine) Theorie ist, dass
er möglicherweise ein Absprache mit Sponsoren oder Alpen Club in Argentinien
hatte. 1958 waren zwei italienische Teams am Torre und es ist im Vorfeld zu
wilden Streitereien gekommen. Walter Bonatti und Carlo Mauri waren auf der
Westseite der Torres unterwegs, Maestri mit den Detassis Brüdern an der
Ostseite. Beide Teams wurden in Argentinien offiziell unterstützt. Es könnte
doch eine Abmachung gegeben haben, dass die einen auf der Westseite bleiben und
die andern an der Ostseite. Ein Jahr später, Bonatti war entgegen seinen
Beteuerungen doch nicht mehr zum Torre gefahren, hat womöglich Toni Egger Cesare
Maestri dazu bewogen, über den Col Standhardt auf die West Seite des Torres zu
gelangen um die – von den Schwierigkeiten her dem Jirishanka (von Egger
vorher erstbegangen) ähnliche Westwand des Torres zu versuchen. Entgegen der
offiziellen Abmachungen in Argentinien. Dann wäre Maestri gezwungen gewesen
über die gewählte Route zu lügen……wie gesagt eine mögliche Theorie.
Die gesamte alpinhistorisch interessierte Szene wartet nun gespannt auf eine Reaktion von Cesare Maestri. Ist es nicht Zeit, endlich die Wahrheit zu erzählen? Zumal die Schwester von Toni Egger hoch betagt etwas ausserhalb von Lienz lebt, zumindest die Angehörigen sollten die Wahrheit über Tonis letzte Bergtour erfahren.
Was meint ihr zu dieser Geschichte?
hier noch der link zu Pataclimb, der perfekten Webseite zu allen Infos in Patagonien von Rolando Garibotti:
http://www.pataclimb.com/knowledge/puzzle.html
Ein excellentes Buch, super recherchiert über die Geschichte des Cerro Torres:
“Der unmögliche Berg” from Peter Meier-Hüsing im Piper Verlag 2007.
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