Donnerstag, 8. Oktober 2015

hart härter am härtesten - Patagonien solo im Winter

Hart, härter, am härtesten - Patagonien, Patagonien im Winter, 

Patagonien solo im Winter

 

Bis vor noch gar nicht langer Zeit galten Klettertouren in Patagonien als Inbegriff des superharten Bergsteigens. Extreme Stürme, Wetterstürze und super harte Routen gewürzt mit Fels und Eis. Undenkbar schien da eine Steigerung der alpinistischen Leistung.

Die Grenze zwischen respektierter Superleistung  und heftig kritisiertem Maximieren des Risikos stellte das Solo von Markus Pucher an der Ragni Route des Cerro Torres bei absolut schlechtem Wetter dar.

die "Torres", Cerro Torre, Torre Egger, und Torre Standhardt, von li nach re. Bild: Marc Andre Leclerc

Nun, die Spirale dreht sich weiter. Offensichtlich waren die Grenzen noch immer nicht erreicht. Es gab bereits einige ganz wenige Begehungen der berühmten Türme vor dem patagonsichen Innlandeis im Winter. Unter anderem von keinen geringeren als z. B. Thomas Huber und Stefan Siegrist und einigen ganz wenigen Bergsteigern.  Ihrer Zeit weit voraus waren dann  noch Tommy Bonapace and Toni Ponholzer mit der ersten Winterbegehung des Cerro Standhardt, via der Route Exocet am 2. September 1990.  Undenkbar schien es allerdings bis dato, solch extreme Touren während der extrem kurzen Tage  Winter auch noch im Solo zu unternehmen.

Die "neuen jungen Wilden" zeigen offenbar keinen Respekt und wagen das scheinbar Unmögliche. Markus Pucher aus Österreich versuchte die Ragni Route am Cerro Torre im Winter Solo, wurde aber durch starken Sturm und extrem schlechten Eisbedingungen zum Umkehren gezwungen. Er bewies für mich durch seine Umkehr, dass er sehr wohl eine verantwortungsvolle Risikobeurteilung macht, und es sich bei seinen superharten solos keineswegs um "gedankenloses Lottospielen" handelt.

Der erst 26 jährige Kandadier Marc Andre Leclerc wiederum zog alleine, allerdings zum Ende des Winters, also die Tage um den 20. September von El Chalten ins Nipponino Camp. Völlig alleine absolvierte er erstmal einige "Eingeh Solos", bevor er sich an die Routenkombination Tomahawk 450 m M7 WI 6 und Exocet 500 m WI 5  5 + am Cerro Standhart machte.
Zur Erklärung der Schwierigkeiten: die Gesamtlänge der Routenkombination beträgt also 950 m, davon an der Tamahawk Mixed 7 (Fels und Eis gemischt) und Wassereis 6, bzw. Wassereis 5 in der Exocet und im Fels 5 + .
Die Tatsache, dass er exakt nach dem Kallender betrachtet nicht mehr im Winter unterwegs war, schmälert meines Erachtens seine Leisung kaum. Die Bedingungen ändern sich da nicht innerhalb weniger Tage von Winter auf Sommer. Außerdem ist die größte Herausforderung völlig auf sich allein gestellt in der sturmumtosten Wildnis Patagoniens unterwegs zu sein. Trotzdem für Statistiker gilt natürlich die strenge Wahrheit, dass es sich also um keine "echte" Winterbegehung handelt.

Tomahawk im unteren Wandteil, Bild: Leclerc

Ich persönlich denke, dass die mentale Grenze im Kopf, gerade beim Bergsteigen im super extremen Bereich, sehr viel ausmacht. Denke das Unmögliche, versuche das Unmögliche, so wirst du letztendlich das Unmögliche möglich machen.
Ist diese Grenze einmal durchbrochen, dann ist es zum "realen Aufbruch" nur noch ein kleiner Schritt. Tatsächlich würde ich aber sagen, dass der erste Schritt auch der am schwersten zu machende ist. Solche mentale Stärke hat Marc Andre Leclerc schon im Februar 2015 bewiesen, als er die Cork- screw link-up, also eine Verbindung von der Kompressor Route (SO Grat) zur Ragni Route der Westwand des Cerro Torre erstmals im Solo zum Gipfel des Torre kletterte!

Der größte ist der Cerro Torre, der zweitgrößte Turm wurde zu ehren des Osttiroler Bergsteigers Toni Egger, der zusammen mit Cesare Maestri legendärer Pioniers des Bergsteigens in dieser Ecke der Welt war, Torre Egger benannt. Der dritte Turm, zwar der kleinste, aber trotzdem sehr schwierig zu besteigende Turm, heisst nach einem nach Argentinien ausgewanderten deutschen Fotografen Ernst Standhardt (geb. 1888). Er kam in den dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts nach Patagonien und machte viele der ersten Fotos von den geheimnisumwitternden Bergen hier.

Marc Andre Leclerc berichtet, dass er im unteren Teil, also der schwierigeren Tomahawk, sogar einen Handschuh auszog, um sich besser im Fels halten  zu können. Weiters hatte er das Glück, perfekte Eisverhältnisse vorzufinden. So war es ihm möglich mit äußerst wenig Sicherung die schwierigen Seillängen der vereisten Offwidth Risse zu klettern. Offenbar ist er sogar die schwierige Felslänge vom Ende des Kamins der Exocet zum Gipfeleis mit Steigeisen geklettert.

Querung vom Ende der Kaminreihe zum Gipfelgrat, Bild: Leclerc

Kletterei in Exocet, Bild: Marc Andre Leclerc

Der Gipfeleispilz hatte, wie öfters an den Torres, einen Eistunnel. Im Auftieg bereitete der Tunnel keine gröberen Schwierigkeiten. Doch zum Abseilen musste er sich sehr lang und schmal machen, um mit den Steigeisen an den Füßen durchrutschen zu können. Großes Glück hatte Marc Andre Leclerc dann noch einmal beim Abseilen, als ihm bei einem fixen Standplatz ein Klemmkeil bei Belastung herausging. Es gelang ihm aber, den Keil neu zu legen und mit einem Eisgerät fest zu hämmern.
Marc Andre Leclerc am Gifpel des Torre Standhardt, Bild: Lerclerc

Eine gefährliche Situation stellte am Gletscher die Überwindung einer großen Spalte dar, bevor er schließlich müde aber zufrieden in sein Zelt beim Nipponina Lager kriechen konnte.

Ich persönlich finde die "Spielart Solo Winterbergsteigen in Patagonien" als eine der härtesten Disziplinen des Bergsports überhaupt. Vielleicht noch erreicht von Solos an den entlegenen Felstürmen in Queen Maud Land/Antarktis, wie das etwa Mike Liebeky betrieben hat.

Im Gegensatz dazu sind Solos an den Achttausendern eher "harmlos", da man heute praktisch an keinem Achttausender in irgendeinem Lager wirklich alleine ist, - zumindest an den Normalwegen.
Was meint ihr dazu?




 

Freitag, 2. Oktober 2015

Everest - der Film

Everest - der Film

oder schon wieder ein Film über den Mt. Everest


Zugegeben meine Erwartungshaltung war mehr als gering. Nach den vorangegangenen Hollywoodfilmen über Bergsteigen, wie etwa Cliffhänger oder Vertical Limit, war mein Vertrauen in die amerikanischen Filmemacher ins Bodenlose abgesackt. Zu sehr wurde auf Herz-Schmerz bzw sich "unrealistisch im T-Shirt im Schnee wälzende Muskelprotze" gesetzt. Gepaart mit den noch immer in den Medien präsenten Vorurteilen über Bergsteiger am Mt. Everest konnte da nur ein vollkommener Schwachsinn herauskommen.....

Das erste Mal als Bergführer am Mt. Everest, Mai 2006

Als technisch sehr interessierter Mensch bin ich aber schon immer vor allem den Neuerungen in  Foto- und Filmtechnik mit großer Neugierde begegnet. Schon die mittlerweile uralte IMAX Technik hatte mich beim Film über das Everstdrama von 1996 fasziniert. Unvergessen die Szene des Hubschrauberfluges hinein in das Khumbugebiet.....

Ehrlich gesagt konnte mich daher meine Frau Lisa nur durch das Argument der 3 D Technik in diesen Film locken. Irgendwie war ich dann doch gespannt. Eine Neuauflage eines Themas, dass bereits vor Jahren als Drama in den IMAX Kinos und den diversen alpinen und allgemeinen Massenmedien auf und ab vermarktet wurde, konnte doch keine platte Kopie sein. Was würden die Produzenten von "Everest" anders machen? Wie sich von der alten Produktion unterscheiden?

Das zweite Mal am Gipfel im Mai 2008

Die Bergsteiger und Gäste der Bergführer wurden damals (kurz nach 1996) ja unter anderem von einem gewissen Jon Krakauer allesamt als dumme und unfähige Figuren verleumdet. Ungeachtet der Tatsache, dass zum Beispiel ein gewisser Pit Schoening, als "Gast und Teilnehmer" im Team von Scott Fischer am Mt. Everest, selber immerhin den Gasherbrum I (8080m) erstbegangen hatte, sowie einen gewissen Mt. Vinson, immerhin der höchste Berg der Antarktis..... 

das Überqueren der Spalten auf den Aluleitern ist tatsächlich sehr gewöhnungsbedürftig

Wir haben uns den Film also doch angesehen. Eines gleich vorweg: Die 3 D Technik ist für einen Bergfilm einfach d e r Hammer. Die Landschaftsaufnahmen, von ohnehin einer der schönsten Landschaften der Welt, "kommen" in 3 D mit einer noch nie gesehenen Brillianz und Tiefe. Besonders beeindruckt hat mich die Szene einer Eislawine. Die Eisstücke scheinen direkt von der Leinwand in das Puplikum geschleudert zu werden. Unwillkürlich habe ich mich geduckt und versucht aus  zu weichen. Vielleicht hat mich mein Unfall mit einer Eislawine im Khumbu Eisbruch doch stärker geprägt als gedacht. Jedenfalls fühlte ich mich plötzlich um ein paar Jahre zurück versetzt und lange "verdaut geglaubte" Emotionen kamen in mir hoch. In einer anderen Szene glaubt man, dass das Fixseil direkt in die Zuschauerränge hinein verlängert wäre. 

der Hilarystep ist leichter als er aussieht, unangenehm sind allerdings die vielen alten Fixseile

Soviel zu den technischen Details. Nun  zum Inhalt. Wie oben schon erwähnt, war mir nicht ganz klar, wie eine bereits derart in allen Massenmedien der Welt widergekäute Geschichte neu auf die Leinwand gebracht werden könne. Man hat das Problem dahin gehend gelöst, dass es eigentlich eine Geschichte über die Bergführer Legende Rob Hall und dem dramatischen Abschied in einem durchgestellten Telefonat zu seiner Frau in Neuseeland geht. 

der Abstieg ist tatsächlich sehr mühsam, nach so einer langen Tour. Ohne Sauerstoff stirbt jeder Dritte, das entspricht einem Risiko wie jenem beim Basejumpen.....

An und für sich ist die Story also relativ banal. Gut herausgearbeitet finde ich allerdings die Emotionen. Zum Einen die Unsicherheit der Teilnehmer, ob sie den Gipfel schaffen und auch darüber ob es sinnvoll war soviel Geld für einen Gipfel zu bezahlen. Zum Anderen finde ich es sehr gut gelungen, wie die Bergführer, in diesem Fall halt reduziert auf Rob Hall und Scott Fischer, bereits im Vorfeld die Probleme erkennen. In der Umsetzung der Lösung - nämlich professioneller Zusammenarbeit - ist es damals offenbar zu diversen Ungereimtheiten gekommen, die dann eine der Hauptursachen für das spätere Drama darstellten. Heute wird übrigens unter den Profi Teams höchst professionell zusammen gearbeitet. Ich persönlich habe das jedenfalls so erlebt. Einmal bei meinem persönlichen Unfall im Khumbu Eisbruch  und auch bei der Rettungsaktion für einen Bergsteiger aus nahzu 8 400m Höhe.

Alles in Allem finde ich den Film, vor allem im Vergleich zu anderen Holywood Produktionen, durchaus sehenswert. Die befürchtete "Verkitschung" bzw. "Heroisierung" hält sich relativ in Grenzen und wird durchaus von den grandiosen Landschaftsaufnahmen und auch Action Aufnahmen in 3 D aufgewogen. Abschließend kann ich sagen, dass der Film für mich auch sein Geld wert war.

Montag, 3. August 2015

Reality TV in den Westalpen

Reality TV ist am Mt. Blanc angekommen

Der italienische Fernsehsender RAI hat in der Vorsaison des heurigen Sommers in Courmayeur auf der italienischen Seite des Mt. Blancs mit den Dreharbeiten für eine Reality TV Show am Mt. Blanc begonnen.
Dabei treten 7 Paare, also insgesamt 14 Promis, unter Anleitung italienischer Bergführer gegeneinander an. Mit dabei sind ehemalige Stars und solche die es gerne sein möchten. Das Rezept ist simpel, ähnlich den bereits sattsam bekannten, niveaulosen Shows in den deutschen privaten Sendern.
Hat die Freiheit in den Bergen schon ihr Ablaufdatum erreicht?

Gundsätzlich ist meine Meinung, dass jeder in den Bergen so glücklich werden soll, wie er es eben gerne möchte. Dazu ist die Freiheit in den Bergen ja auch da. A b e r  jede Freiheit endet dort, wo man beginnt anderen Mitmenschen "auf die Zehen zu treten".
Nun haben wir am Mt. Blanc extreme Probleme mit Massentourismus und den Folgen der Klimaerwärmung. So hat man die Hütten am Normalweg mittlerweile sperren müssen, da der Steinschlag auf der Route von Westen durch das große Couloir einfach viel zu gefährlich geworden ist.

Eine Reality TV Fernsehshow ist bekanntermaßen ein Unterhaltungssendeformat für die breite Masse mit entsprechend niedrigem Niveau. Verlegt man nun den Ort der Handlung von einem Dschungelcamp auf einer Insel oder einem Container auf die höchsten Gipfel der Alpen, so hat dies selbstverständlich auch Folgen für die ohnehin schon geplagte Umwelt in einer äußerst sensiblen Region.
Mt Blanc, Menschenmassen und Folgen der Klimaerwärmung ergibt viele Unfälle?

Die Medienpräsenz der Mt. Blanc Region wird viel Wasser auf die Mühlen der Tourismuswerbung leiten. Das ist aber wiederum ein sehr zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite kommt diese Werbung der Bevölkerung in den Bergdörfern der alpinen Täler zu Gute. Viele Menschen in den alpinen Tälern leben direkt oder indirekt vom Tourismus. An vielen Orten - gerade in den Westalpen - sind aber die Grenzen des Massentourismus in den Bergen bereits erreicht. Gerade der Mt. Blanc, oder Monte Bianco, wie ihn die Italiener nennen, ist - neben dem Matterhorn - ein gutes/schlechtes Beispiel dafür. Auch am Dachstein wird ja auch an manchen Tagen im Hochsommer schon diese Grenze am Oberen Hallstättergletscher erreicht.

Im weiteren Sinne führt dann der Gedankengang zu Sinn oder Unsinn von Werbung fürs Bergsteigen. Wenn man über Werbung nachdenkt, so sind dabei zwei wichtige Punkte zu beachten. Auf der einen Seite die Zielgruppe, also wer wird angesprochen, und auf der anderen Seite das Produkt. Diese zwei Punkte müssen zusammenpassen um erfolgreich zu werben.

Wir haben nun auch beim Bergsteigen einen zunehmenden Trend, der mich da sehr, sehr nachdenklich stimmt. Grundsätzlich sind Bergsteiger eigentlich Menschen, die die Einfachheit der Natur lieben. Das schließt Menschenansammlungen und Großveranstaltungen, auf neudeutsch Events, eigentlich aus. Trotzdem ist der Trend zu den "Modebergen" ungebrochen. Jeder will, oder muss die großen Namen "gemacht" haben. Eine Chance sehe ich da nur im "sanften Tourismus", der individuell gesteuert, kleinräumig und sehr lokal agiert. Üblicherweise ist das eine Domäne der vielen Bergführer und Wanderführer in den kleinen Orten der alpinen Täler.

Auf der einen Seite steht also der Anspruch der "Zielgruppe" einsames Abenteuer im Hochgebirge zu erleben, auf der anderen Seite bewegt Werbung direkt oder indirekt immer mehr Massen in die Berge.

Wo wird diese Entwicklung enden? Werden am Ende die ganzen Alpen in einen Nationalpark umgewandelt und wird der Besucheransturm wie am Mt. Everest mit Gebühren, also Geld, geregelt? Fest steht, dass der Massenansturm auf viele Berge in den Alpen bald irgendwie geregelt werden muss.

Die Freiheit in den Bergen hat also schon ein Ablaufdatum aufgestempelt!

Dienstag, 30. Juni 2015

Wurde Paul Preuss wirklich "totgeschwiegen"?

Wurde Paul Preuss in der Alpingeschichte wirklich "totgeschwiegen"?

Anlässlich der Feierlichkeiten zum 100. Todestages von Paul Preuss 2013 kamen zahlreiche Bergsteiger und "Alpin Journalisten" ins Salzkammergut, um den 1913 beim Klettern am Mandlkogl abgestürzten Pionier zu würdigen.
Der Mandlkogel im Gosaukamm, an der Nordkante stürzte Paul Preuss 1913 ab.

Allgemein war man der Meinung, dass der Pionier in der Alpingeschichte zu wenig gewürdigt worden wäre. Reinhold Messner schließlich behauptete sogar, dass man den Freikletterer und Verfasser der ersten Regeln für das Klettern vor allem in der Alpinen Literatur absichtlich nicht gewürdigt hätte.

Die verregneten Wochen der letzten Zeit boten mir genug Gelgenheit, um in einigen alten Büchern und Zeitschriften zu stöbern, ob dem nun wirklich so gewesen ist.

Dabei entdeckte ich wirklich interessante Details:

Im Sammelband der Zeitschrift "Der Bergsteiger", 1930 - 31, Schriftleiter Julius Gallhuber:
steht auf Seite 34:
"....der Preußriss, der seit jeher als eine der kühnsten Taten Paul Prauß´gegolten hatte...."

auf Seite 258: "...wird erst jetzt einer weiteren Öffentlichkeit bekannt, dass die Italiener die sogenannte Kleinste Zinne dem großen Bergsteiger Paul Preuß zu Ehren in "Torre Preuß" umgetauft haben. Preuß, der Wiener, der seine besten Jahre in München verbrachte, hat dort sein vielleicht bestes Meisterstück geliefert. Preuß....Meister des neuzeitlichen Alpinismus.....durch den dunklen, als Preußriß bezeichneten Felsspalt, führt über messergeschnittene rote Wandteile der kühne Weg des großen Könners.
Der "Preußturm", so wollen auch wir die flammende rote Dolomitenzinne fortan nennen, sie sei uns in diesem Sinne Wahrzeichen!"

Der Bergsteiger, Sammelband 1931, Seite 334: "...im Gesäuse ist es vor allem die große Modetour, die NW Kante des großen Ödsteins, durch Jahre als die schwierigste Felsfahrt der Alpen angesprochen. In der Tat ein Bravourstück Angelo Dibonas, nicht weniger groß die Leisung des Zweit- und z.T. Erstbegehers Preuß...."

Eduard Pichl erwähnte Preuß in seinem im Bruckmann Verlag 1936 erschienen Buch "Hoch vom Dachstein an" auf Seite 306: "....der ausgezeichnete Felsmann Dr. Paul Preuß...." und auf
Seite 314 "....wandten sich zwei vorzügliche Bergsteiger der (Däumling) Nordseite zu: Dr Paul Preuß und Dr. Günther von Saar....."

Fritz Kasparek, mit Heinrich Harrer und Viggerl Vörg und Anderl Heckmair Erstbegeher der Eiger Nordwand erwähnte Paul Preuß in seinem 1939 erschienen Buch "Ein Leben für die Berge" auf
Seite  40: ".....die Nordkante des Mandlkogels, an der unser unvergeßlicher Pionier Paul Preuß zu Tode stürzte....".

In der österreichischen Alpenzeitung vom Oktober 1949 schrieb Sepp Starl auf S 162: "....Paul Preuß, wohl einer der tüchtigsten und erfolgreichsten Felsgeher seiner Zeit....der sieggewohnte Alleingänger..." und weiter heisst es auf Seite 168: "....Paul Preuß, der kühne Alleingänger...".

Der unvergessene Kurt Maix, schrieb neben einem der besten je erschienen Bergbücher ("Im Banne der Dachstein Südwand") auch noch unter Anderem das Buch Hermann Buhls (Achttausend drunter und drüber).
1966 erschien schließlich sein selektiv gehaltenes Werk "Berge ewiges Abenteuer" über die Geschichte des Alpinismus, das sich auf absolute Spitzenleute beschränkt. Er widmete darin Paul Preuss gleich 4 Seiten:

Seite 402: "....Dr. phil. Paul Preuß, der Pflanzenphysiologie und experimentelle Psychologie studiert hatte, war wohl einer der besten, wenn nicht der beste Freikletterer, den es je gegeben hat...."

Seite 406: "....Paul Preuß war seiner Zeit weit voraus, er erahnte nicht nur die Götterdämmerung, die dem Bergsteigen eine hemmunslose Verwendung von künstlichen Hilfsmitteln bringen sollte---er plante auch die größte, gewaltigste Tour der Alpen: Die Überschreitung des gesamten Peutereygrates einschließlich Südgrat der Aig. Noire auf den Mt. Blanc....."

Seite 407: "....langsam dämmerte es auch der Wiener Zunft, daß sie in Paul Preuß einen ihrer besten und nobelsten Vertreter verloren hatte...."

In der alpinen Literatur zwischen 1930 und bis 1966 wurde also Paul Preuß nachweislich nicht totgeschwiegen. Es war sogar das Gegenteil der Fall. Ich konnte kein einziges "abschätziges" Zitat finden. Allerdings war bis zu der Jubiläumsveranstaltung 1986 (100. Geburtstag) Paul Preuss einer allgemeinen, breiten Öffentlichkeit völlig unbekannt. Reinhold Messner würdigte in Vorträgen und in einer Biografie Paul Preuß. Die "Unbekanntheit" alpinistischer Persönlichkeiten trifft aber auf praktisch alle bedeutenden Alpinisten und Bergsteiger aus der Geschichte zu. Wer von den jungen "Halllenkletterern" kennt etwa einen Julius Kugy, oder Edward Whymper, Walter Bonatti oder Gaston Rebuffat?





Dienstag, 16. Juni 2015

Immer höher, immer schneller, immer schwieriger - das geht einfach nicht!

Immer höher, immer schneller, immer schwieriger - das geht einfach nicht!


.....sagte Ueli Steck vor dem Start seines neuesten Projektes auf die 82 Viertausender der Alpen zu steigen und diese mit dem Fahrrad zu verbinden. Für mich eine interessante Aussage eines Bergsteigers, der vom Vermarkten seiner Rekorde lebt. Am schnellsten durch die Eiger Nordwand, am schnellsten durch die Matterhorn Nordwand, am schnellsten durch die Grand Jorasses Nordwand, usw. das waren und sind Markenzeichen von Ueli Steck.

Vor langer, langer Zeit hat ein Spitzenkletterer, der ebenso wie Steck "Meilensteine" im Klettern und Bergsteigen gesetzt hatte, sehr ähnlich agiert. Wolfgang Güllich hatte jahrelang das Schwierigkeitsklettern in  neue Dimensionen und in Richtung Artistik gepusht. Als er erkannte, dass  für ihn irgendwo eine "Grenze" erreicht wäre (er kletterte Routen wie Seperate Reality IX, im Yosemite free solo) verlagerte er sein Engagement mit seinem Freund Kurt Albert in Richtung Abenteuer, Erlebnis und Reisen. Expeditionen und Routen wie Fitzcarraldo im Cirque of Unclimbables oder Eternal Flame an den Trango Türmen waren die Folge. Leider starb Wolfgang Güllich viel zu früh 1992 bei einem Autounfall.

Ich finde die Entwicklung und die bemerkenswerte Aussage von Ueli Steck eine echte Bereicherung für das Bergsteigen. Gerade das momentan laufende Projekt die 82 Viertausender der Alpen in einem Zug zu besteigen verdient Beachtung. Interessant ist für mich auch die Tatsache, dass er das Projekt im Sommer durchzieht. Im Winter wurden noch nie alle Viertausender der Alpen in einem Zug bestiegen. Der bekannte Profi Alpinist aus Frankreich Patrick Berhault hatte dies versucht und ist dabei aber durch einen Wechtensturz umgekommen.
Ueli Steck meint, dass er sich wieder auf das wesentliche beim Bergsteigen reduziere, auf Abenteuer erleben gemeinsam mit eine Freund. 

Für viele wird es ein wohl mehr als ein Wermutstropfen bei dieser "Aktion" sein, wenn sie erfahren, dass da ein großer "Tross" mit den beiden Bergsteigern Steck und Wohlleben mitzieht. Das Schweizer Fernsehen berichtet genauso wie eine eigene Webseite und natürlich sämtliche professionelle Werbekanäle von Steck bzw. seinen Sponsoren. Mit dabei ist der Schweizer Profi Bergfotograf Roebi Bösch, ein Manager kümmert sich um die Logistik und eine eigene Filmfirma macht technisch höchstwertige Aufnahmen vom Hubschrauber mit einer Cineflex Kamera.

Offensichtlich vermarkten die beiden Profi Alpinisten ihre Tour sehr professionell. Ich finde dabei nichts Schlechtes. Im Gegenteil, in Zeiten in denen man in Pakistan im Basislager erschossen werden kann, Nepal von einem gewaltigen Erdbeben zerstört wurde, wenn die Sherpas gerade mal nicht streiken, finde ich es eigentlich logisch die Schönheit und die Werte der "Heimat Alpen" zu entdecken und auch zu vermarkten.
Natürlich muss dabei die "Aktion" passen - das tut sie auch meiner Meinung nach -, und das Bildmaterial muss entsprechend professionell sein. Letzteres ist in den Alpen halt noch etwas gewöhnungsbedürftig. In den klassischen Expeditionsdestinationen ist man es ja mittlerweile schon seit Jahren gewöhnt, mit Internet Updates und begleitenden Profi-Fotografen unterwegs zu sein. Bei "Aktionen" in den Alpen werden wir uns zunehmend daran gewöhnen müssen.

Ueli Steck und Michi Wohlleben werden in 80 Tagen 82 Gipfel besteigen und rund 1000 km mit dem Fahrrad zurücklegen. Dabei werden sie wohl auch viele Abenteuer gemeinsam mit ihrem Team erleben und darüber berichten. Ich wünsche den beiden viel Erfolg und vor allem einen unfallfreien Ablauf der Tour.

http://www.uelisteck.ch/de/item/33-alpen-traverse.html
http://www.82summits.com/de/
http://blogs.dw.de/abenteuersport/82-viertausender-in-80-tagen/
http://alpenmag.de/alle-82-viertausender-der-alpen-in-80-tagen/
http://www.alpin.de/home/news/9346/artikel_steck_wohlleben_82_summits.html
http://www.bernerzeitung.ch/espacecard/vorschau/Ueli-Steck--Alpen-und-Himalaya/story/20612654

Sonntag, 17. Mai 2015

Alpin Journal: Und plötzlich "erwischt" es auch alte "Haudegen"

Alpin Journal: Und plötzlich "erwischt" es auch alte "Haudegen": Und plötzlich "erwischt" es auch "alte Haudegen" Wir waren gerade mit einem Team aus internationalen Managern auf e...

Und plötzlich "erwischt" es auch alte "Haudegen"

Und plötzlich "erwischt" es auch "alte Haudegen"

Wir waren gerade mit einem Team aus internationalen Managern auf einer Biwaktour am Dachstein beschäftigt, als mir Sepp Schiefer irgendwie komisch vorkam. Er arbeitet schon seit rund 20 Jahren regelmäßig bei Laserer-alpin als Bergführer und so kennen wir uns natürlich auch schon eine richtige Ewigkeit. Bei der nächsten passenden Gelegenheit erzählte er mir dann, dass seine Freunde und Kollegen Albert Precht und Robert Jölli in Kreta beim Klettern tödlich verunglückt seien. 
Die Nachricht schockte mich richtig gehend. Ich konnte es einfach nicht glauben, dass derart erfahrene Profis beim Klettern verunglücken. Irgendwie hab ich im Hinterkopf, dass Unfälle mit Jugend, Unerfahrenheit oder Sorglosigkeit in Verbindung zu bringen seien. Auch die Tatsache, dass mit Edi Koblmüller erst vor kurzem ein ebenfalls super erfahrener Vollprofi in den Bergen umkam, versetzte mich gewissermaßen in einen Schock.

Drei super erfahrene Bergsteiger, die quasi als Vollprofi über Jahrzehnte tätig waren, kamen also in relativ kurzer Zeit in den Bergen ums leben. Irgendwie hinterfragt man da sofort die Umstände, was ist da genau passiert, um daraus zu lernen, damit einem selber nicht dasselbe passiert.

Abseilen am Brentenkogel, Hinterer Gosausee,  in der Route Flic Flac

Dann kam die Nachricht, dass der Kletterunfall auf Kreta beim Synchronabseilen passiert ist. Es handelt sich dabei um eine superschnelle Art des Abseilens. Dabei seilen beide Seilpartner gleichzeitig an je einem Strang der zusammengeknüpften Seile ab.  Es entsteht dabei natürlich eine besonders starke Belastung auf die Verankerung. Da die Seile aber frei durch die Verankerung laufen, müssen beide Partner die Seile auch gleichzeitig belasten - entlastet einer, so fällt der Andere.

Vor rund zwanzig Jahren war ich selbst in so einen Abseilunfall verwickelt. Nachdem ich mir am Abseilgerät die Hand verbrannt hatte, hatte ich reflexartig losgelassen. Wir hatten bei der "eh nur kurzen Abseilstelle" keine Selbstsicherung im Seil. Nur durch wirklich viel Glück und dem richtigen Reflex zur richtigen Zeit konnten wir überleben. Ich hatte mir damals bei dem ca. 40 m weiten Absturz neben vielen Prellungen "nur" ein Bein gebrochen, mein Partner kam nach einem deutlich kürzeren Sturz in ein Gebüsch mit Prellungen davon.  Seither hab ich diese gefährliche und fehleranfällige Abseilmethode natürlich nie wieder angewendet.

Was nun im genau bei dem Abseilunfall von Precht und Jölli in Kreta passiert ist, wird vermutlich nicht genau im Detail zu klären sein. Auch die näheren Umstände vom Tod Edi Koblmüllers wird man vermtutlich nie genau klären können.

Eines führten mir die beiden Unfälle aber vor Augen: Hüte dich vor der Routine, der Teufel schläft wirklich nicht. Immer wieder rufe ich mir die Worte eines Schweizer Kollegen ins Gedächtnis - "Aufpassen musst du einfach immer!"